Vermessenheits­verzerrung, Over­confidence Bias oder schlicht Selbstüber­schätzung: die drastischen Folgen eines bekannten psychologischen Phänomens

Menschen neigen dazu, ihr Wissen, die Richtigkeit ihrer Einschätzungen und ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Dieses Phänomen wurde in der psychologischen Forschung unzählige Male bestätigt und ist selbstverständlich auch im Berufsleben zu beobachten. Zum Beispiel unter Kollegen – noch viel gravierender aber: auch beim Chef!

Ein Beispiel für Selbstüberschätzung im Alltag: Etwa 80% der befragten Autofahrer glauben, zu den 30% der besten Autofahrer zu gehören (was mathematisch betrachtet schlicht und einfach nicht möglich ist). Solange diese Fehleinschätzung nicht in einem entsprechenden Fahrstil mündet, ist das allenfalls eine amüsante Anekdote. Im Berufsleben hingegen kann Overconfidence massiven Schaden anrichten, wie die Ergebnisse weiterer Studien nahelegen. Warum?

  • Menschen neigen dazu, ihre beruflichen Fähigkeiten zu überschätzen,
  • haben aber die Tendenz, sich selbst für unbeeinflusst zu halten („bias blind spot“)

Übertragen wir diese beiden prinzipiell zutiefst menschlichen Wesenszüge nun auf einen Manager, so ergibt sich das Bild einer Person in leitender Position, die davon überzeugt ist, ausgezeichnete Führungsqualitäten zu besitzen und gleichzeitig keinerlei Zweifel an dieser Annahme zulässt, völlig unabhängig von objektiven Befunden.

Reine Theorie? Nein, in unserer täglichen Praxis sind wir laufend damit konfrontiert, dass Führungskräfte fassungslos vor den von uns präsentierten Ergebnissen ihrer Einschätzung durch ihre Untergebenen stehen. Es ist auch absolut menschlich und dient dem Schutz des Selbstwerts, Kritik an der eigenen Person zu vermeiden. Doch blockiert man damit die mit solchem enorm wichtigem Feedback verbundenen Lern- und Verbesserungsmöglichkeiten. Demotivation, Konflikte, erhöhte Mitarbeiterfluktuation, vermehrte Krankenstände, Dienst nach Vorschrift etc. können die Folge sein und die Existenz von Unternehmen gefährden.

Das Phänomen der „Vermessenheitsverzerrung“ war also einer der wichtigsten Gründe für uns, den kostenlosen ANABEL Onlinefragebogen zu entwickeln. Hier bekommen Führungskräfte anonym und qualifiziert Feedback von den eigenen Beschäftigten (neben vielen weiteren wertvollen Informationen) und damit die Möglichkeit, tatsächlich „on the job“ zu lernen und sich zu verbessern!

Wenn sie also Manager sind, was spricht dagegen – außer natürlich, Sie wären – völlig objektiv – davon überzeugt, ohnehin der oder die Beste* für diesen Job zu sein 😉

https://www.anabel.at

Die Entwicklung von ANABEL wurde von der Wirtschaftsagentur Wien und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt.

* Übrigens: Männer neigen mehr zu Selbstüberschätzung als Frauen.